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Bundes-Ausschreibung lässt Commerzbank-Aktie abrutschen

Ein Berater soll die Strategie der Commerzbank für den Bund bewerten. Dabei sollen offenbar alle Optionen geprüft werden – auch ein Verkauf der Anteile. Derzeit würde dabei ein erheblicher Verlust anfallen.


Offenbar prüft der Bund seine Beteiligung an der Commerzbank, nachdem die Fusion des Geldhauses mit der Deutschen Bank gescheitert ist. Ein Berater soll nicht nur die Strategie der Commerzbank analysieren, sondern auch Empfehlungen abgeben, wie der Bund zukünftig mit seiner 15-prozentigen Beteiligung an dem Frankfurter Institut umgehen soll.

Veröffentlicht wurde, in dem die öffentlichen Aufträge ausgeschrieben werden. Die Commerzbank-Aktie ist zu vier Prozent auf 5,16 Euro und notiert nur noch knapp über dem Rekordtief vom August 2016 von 5,15 Euro.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums bestätigte die Ausschreibung, wollte aber nicht weiter dazu äußern. Die Commerzbank könnte eine Stellungnahme ab. Die Bewerbungsfrist für das Beratermandat läuft noch bis zum 3. September, der Zuschlag soll voraussichtlich zwischen Oktoberende und Dezembermitte erfolgen, hieß es in der Ausschreibung.

Berater soll “mögliche Handlungsoptionen” aufzeigen

Die Commerzbank, die wegen der niedrigen Zinsen und des harten Wettbewerbs seit Jahren mit sinkenden Erträgen kämpft, wird im Herbst eine neue Strategie präsentieren. Die Deutsche Finanzagentur, seit der Integration der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) Anfang 2018 auch für die Beteiligungen des Bundes im Finanzsektor zuständig, sucht einen externen Berater, the Strategy rate soll.

Er soll das Geschäftsmodell der Commerzbank beurteilen und unter anderen „Erträgen der Kerngeschäftsbereiche, der Kosteneinsparungen, des Beitrags der Digitalisierung“ analysieren.

Außerdem gehe es darum, „mögliche Handlungsoptionen“ zur Steigerung des Werts der Bank aufzuzeigen. "In diesem Zusammenhang sollen beide Möglichkeiten des organischen als auch des anorganischen Wachstums (zum Beispiel Joint Ventures, Zukäufe der Commerzbank, Kooperationen, Realisierung von Wertpotentialen durch Verkäufe von Teilen) beleuchtet werden", heißt es in der Ausschreibung. Daraus sollten strategische Empfehlungen abgeleitet werden, wie der Bund mit seinem Commerzbank-Anteil umgehen solle.

Kein Kaufinteressent in Sicht

Der Staat war in der Finanzkrise vor zehn Jahren bei den zweitgrößten deutschen Privatbank eingestiegen. Um sich ohne Verlust von seinem Anteil von 15,6 Prozent zu trennen, müsste der Bund etwa 26 Euro je Aktie erhalten – fünf Mal so viel wie die Aktie momentan wert ist.

Ein Kaufinteressent für die gesamte Commerzbank ist im Moment nicht in Sicht. Zwar hatten nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank Ende April Finanzkreisen zufolge die niederländische ING und die italienische Unicredit mit einer Fusion mit dem Frankfurter Geldhaus geliebäugelt. Doch das Interesse war zuletzt abgekühlt.

Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels hat am Mittwoch mit der Vorlage der Quartalsbilanz gesagt, er sehe im Moment keine Interessenten vor der Tür stehen.